„Zwei Menschen suchen nach ihrer Erlösung in einer Welt, in der das Glück nur noch als käufliche Ware erscheint. Voll Sehnsucht, aber unfähig zum Leben, projizieren sie ihre Wunschphantasien aufeinander – in Roger Vontobels Inszenierung verkörpert im Tanz zweier Traumfiguren. Oder ist alles sogar nur ein Traum im Kopf einer jungen Frau, die sich aus der Enge eines materialistischen Lebens befreien will?“ So kündigt eine Kurzinformation im Programmheft die letzte Aufführung die romantische Oper „Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner in der aktuellen Spielzeit an. Was die Schülerinnen aus Musikkursen der Oberstufe des WSG am 12. Juni erleben konnten, war ein brillanter Opernabend voll technischen Raffinement und überzeugendem Schauspiel in allen Gesangspartien.

Wagners Holländer, ein Werk der Tradition und der Umkehr in einem. In Gehalt, Form, Dichtung und Musik ein Erzeugnis einer gesellschaftlichen Übergangszeit. Wagners Holländer ist kein Ahasver, er verwandelt die Problematik der Vorlage Heinrich Heines in eine geheime Künstlerproblematik und beginnt damit die Reihe verschlüsselter Künstlerdramen, die im Tannhäuser und Lohengrin fortgesetzt wird. Die Holländer-Gestalt bedeutet hier eine Erweiterung des Außenseitertypus der Romantik. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Weltschmerzthematik, die im Zusammenstoß von Menschen- und Geisterwelt im Zeichen des Liebestodes daherkommt. Wahrlich keine leichte Kost, die erst nach gründlicher Vorbereitung genossen werden kann und zu einem erfülltem Opernerlebnis wird. Da man erst zur letzten Aufführung noch die begehrten Karten erlangen konnte, die mitten in den Pfingstferien lag, war die Gruppe der Besucher des WSG überschaubar. Dennoch war man sich einig, der Aufwand habe sich gelohnt. Die musikalische Leistung des Ensembles wie die psychologisch durchdachte Inszenierung hinterließen tiefe Eindrücke.